Publicatiedatum: 2 februari 2015
Reporter: Albert Hendriks - Friesland Holland Nieuwsdienst - www.friesnieuws.nl

Stolze Segler, Aalfischer und Kuhmistschiffer, Handwerker und Künstler - begegnen Sie ihnen!

Workum, das geselligste und größte Museum Frieslands

Workum
Workum besitzt seit 1399 Stadtrechte. Der älteste Teil des Rathauses am Merk (Marktplatz) stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auf dem Dachboden befindet sich ein „Cachot”, ein Gefängnis. 1727 wurde das Rathaus teilweise erneuert. Die bemalte Goldledertapete und die Stuckdecke im Rathaussaal wurden 1773 angebracht. Links neben dem Rathaus (mit dem Treppenpodest) steht das „Friesische Häuschen”, das 1620 an das Rathaus angebaut wurde.

 Wie auch zwei andere der Elf Städte, Hindeloopen und IJlst, ist Workum nie wirklich eine Festungsstadt gewesen. Befestigung in der Form von Wällen und Bastionen, wie in Sloten, der kleinsten der Elf Städte, hat es hier nie gegeben. Workum hat sich dennoch als eine bedeutende Stadt mit dem dazugehörigen Wohlstand entpuppt. Dies ist auf dem „Merk”, dem zentralen und sehr geselligen Marktplatz, und an den Straßen It Súd und It Noard zu erkennen. Selbst eine der berühmten Schiffshellingen, die über 300 Jahre alte Schiffswerft De Hoop, ist noch erhalten geblieben. Dort in der Nähe des vom maritimen Erbe geprägten Stadthafens werden noch immer Holzschiffe gebaut und restauriert.

Strontrace
Wer die Atmosphäre der friesisch-holländischen Seefrachtschifffahrt vor ein bis zwei Jahrhunderten wirklich erleben möchte, sollte am Start- und Finish der Strontrace sein, jedes Jahr im Oktober in der Nähe der Werft. Die aktuellen Termine können Sie auf www.strontraceworkum.nl finden. Die Strontrace ist eine Regatta mit klassischen Segelschiffen, die getrockneten Kuhmist an Bord befördern. Mit den Schiffen wird von Workum nach Warmond in Zuid-Holland, über Amsterdam und wieder zurück gesegelt und gestakt. Der Wettkampf soll an die Workumer Schiffer erinnern, die bis 1950 in jedem Frühling, wenn die Bauern in Friesland ihre Ställe ausmisteten, auf 150 Tjalken und Klippern (Laderaum 100 bis 160 Tonnen) stinkenden feuchten Kuhmist zu den unfruchtbaren Dünensandgebieten von Warmond, Hillegom und Lisse brachten. Dort, in der Nähe des heutigen Blumenparks De Keukenhof, konnte dank des Kumistes der friesischen Bauern und der Workumer Frachtschiffer der „Bollenstreek”, das Gebiet der holländischen Tulpen, zur Blüte gelangen.

Leben vom und auf dem Meer
Handel und Seefahrt brachten Workum ab dem 13. Jahrhundert den Wohlstand, unter anderem weil die anderen friesischen Städte im Laufe der Jahrhunderte ihre offene Verbindung zum Meer verloren. Workum lag zwar nicht direkt am Meer, hatte aber über den zwei Kilometer langen angelegten Kanal It Soal eine Verbindung zur Zuiderzee. Das Meer heißt seit dem Bau des Abschlussdeichs im Jahr 1932 Ijsselmeer. Landeinwärts hat Workum eine Verbindung zu den friesischen Seen, früher sehr wichtig, da gute Landwege in Friesland Mangelware waren. Workum besaß einst auch eine große Fischereiflotte, genau wie die anderen Zuiderzee-Häfen Lemmer und Makkum. Viele Workumer Fischer waren zwischen 1800 und 1900 auch auf dem Gebiet des Aalhandels mit London aktiv, genau wie die Bewohner des benachbarten Dorfs Heeg im Süden von Sneek. Tausende Tonnen friesischen Aals wurden nach England verschifft. Um 1900 ging dieser Handel zu Ende. 1907 verkaufte der letzte Workumer Aalhändler sein Unternehmen.

Zugeschüttete Wasserwege
und schönsten Häuser wurden entlang der Kade vom Wymerts gebaut, wodurch die Stadt eine längliche Form erhielt. 1785 wurde der Wymerts zugeschüttet und entstanden so die zwei wichtigen, miteinander zusammenhängenden, Handwerks- und Einkaufsstraßen: It Noard und It Súd, was der Norden und der Süden auf Friesisch bedeutet. Die ältesten Gebäude, einst an einem Wasserweg gelegen, haben großartige Prunkgiebel, Fassaden mit einer Geschichte. Auch nach 1800, als die Seefahrt wegen der Versandung der Häfen stark zurückging, hatten es die Workumer immer noch recht gut. Der Beweis dafür sind die schönen Häuser aus dem 19. Jahrhundert am It Súd.

Workumer Keramik
Im Museum Warkums Erfskip, das sich im Waagegebäude am Merk befindet, ist eine große Kollektion von Original Workumer Keramik des Keramikfabrikanten R.F. de Boer ausgestellt. Ende 2005 hielt Töpfer Rintje Freerks de Boer mit der Herstellung dieser typischen rotbraunen Töpferware mit der sogenannten „Ringeloor”-Dekoration auf. Er war der letzte aus einem Geschlecht von Töpfern, das seit etwa 1670 in Workum allerlei Arten Gebrauchskeramik hergestellt hat, auch Entwässerungsrohre, rote Steingutblumentöpfe und Kerbschnitt-Töpferware. Es gibt immer noch einige Töpfereien in Workum, unter anderem in und hinter dem Restaurant It Pottebakkershûs am Merk, wo Interessierte sehen können, wie die alten Techniken heutzutage angewendet werden. Auch gibt es im Restaurant eine Ausstellung mit Workumer Keramik.

Jopie Huisman, der Rembrandt Frieslands
Ein „must do”, wenn Sie in Workum sind: ein Besuch des Jopie Huisman Museums am It Noard mit den Werken des 2000 gestorbenen Händlers in Altmetall und Kleidung und Künstlers Jopie Huisman. Auch ohne ein Kunstkenner zu sein, werden die Werke und die farbige Lebensphilosophie des friesischen autodidaktischen Malers Sie beeindrucken. Der weltberühmte Kunstmaler Rembrandt van Rijn wäre, wenn Jopie vor 400 Jahren gelebt hätte, zweifellos fasziniert von dessen künstlerischen Qualitäten gewesen. Diese sind unglaublich! Und wer gar kein Kunstliebhaber ist, aber die pralle Wiedergabe eines Lebens inmitten von Ramsch und Natur, merkwürdigen Menschen und Kultur würdigen kann, wird ebenfalls sehr zufrieden von einem Besuch dieses Museums zurückkehren. Das Kunsthaus sammelt, lagert und stellt Zeichnungen, Gemälde und Inspirationsquellen des Malers aus, der von 1922 bis 2000 in Friesland gelebt hat. Die Kunstdomäne bietet auch einen weitreichenden Einblick in das interessante Leben des herzlichen Malers, der sich klammerte an seine selbstgedrehte Zigarette, Humor, Kunst, Musik, starke Geschichten und Streichen von – oft berühmten - Freunden. Nehmen Sie sich Zeit für ihn und für Workum, damit Ihre Augen und Ohren genießen können!