Publicatiedatum: 2 februari 2015
Reporter: Albert Hendriks - Friesland Holland Nieuwsdienst - www.friesnieuws.nl

Dem ‘Freund und Feind’ Holland am nächsten:

Hansestadt Stavoren, ein Städtchen voller schöner Geschichten

Stavoren
Stavoren

STAVOREN (NL) - Im Jahr 1061 wurden Stavoren offiziell die Stadtrechte verliehen. Stavoren war über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Handelsstadt. Die Legende der ‘Frau von Stavoren’ handelt von einer vermögenden Kaufmannswitwe, die für die Versandung des Stavorener Hafens und damit den Niedergang des einst so wohlhabenden Städtchens verantwortlich gemacht wird. Heute ist der Hafen von Stavoren die Ausfallbasis für Segelkreuzfahrtschiffe und Hunderte von Sportbooten. Seit 1886 gibt es eine Fährverbindung zwischen dem friesischen Stavoren und dem früher verfeindeten Enkhuizen in Holland.

Stavoren (friesisch ‘Starum’, knapp 1.000 Einwohner, bis ca. 1600 Staveren und danach abwechselnd Stavoren und Staveren genannt) entstand um 900 an einem kleinen Fluss. Im Jahr 1040 war Stavoren bereits eine eingefriedete Stadt mit einer eigenen Münzanstalt. 1061 wurden Stavoren von Graf Egbert I. mit der Erlaubnis des römischen Kaisers Heinrich IV offiziell die Stadtrechte verliehen.

Heinrich IV. (Goslar, 11. November 1050 - Luik, 7. August 1106) war von 1056 bis 1105 König von Deutschland und ab 1084 auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Die Verleihung der Stadtrechte brachten für Stavoren eine eigene Gerichtsbarkeit, Zollfreiheiten im gesamten Römischen Reich und ein Stadtwappen mit sich. Das Stavorener Wappen besteht aus einer goldenen Krone mit gekreuzten Bischofsstäben, die an die Schutzherren - den Erzbischof von Köln und den Bischof von Utrecht - erinnern.

De varende ambassade van Friesland én Stavoren, de Aphrodite van Aent en Ellen Kingma.
Die ‘fahrende Botschaft’ von Friesland und Stavoren: die Aphrodite von Aent und Ellen Kingma.

Hansestadt Stavoren
Stavoren war eine bedeutende Handelsstadt. Die Großschiffer und Kaufleute unterhielten wichtige Handelsbeziehungen mit den Ostseeländern. Im Jahr 1385 wurde Stavoren Mitglied der Hanse. Die Schiffer aus Stavoren hatten beim Passieren des Öresunds ein altes Vorrecht: Beim Kassieren des Zolls wurde ihnen Vorfahrt gewährt, wodurch sie einen erheblichen Zeitgewinn verbuchen konnten.
Eine Hanse (althochdeutsch für ‘Gruppe, Gefolge, Schar’) war im Mittelalter eine Vereinigung von Kaufleuten und Städten, deren Ziel der Schutz und die Erweiterung ihrer Handelsaktivitäten war. Ab dem zwölften Jahrhundert schlossen sich Kaufleute in den Regionen rund um die Nord- und Ostsee zu solchen Vereinigungen zusammen. Die schwedische Insel Gotland war anfangs das Zentrum für den Handel von Kaufleuten aus Dänemark, Lübeck und später Westfalen mit den lokalen Kaufleuten. Von Gotland aus wurde auch Handel mit England, Flandern und Nowgorod getrieben, wo es bereits 1190 eine deutsche Niederlassung gab.

Zum Schutz wurden anfangs kleine und später immer größere Vereinigungen gebildet, von denen sich einige Gilde und andere Hanse nannten, wie etwa die Flämische Hanse von London und die Hanse der 17 Städte für den Handel auf den Champagne-Messen. Die Deutsche Hanse ist jedoch die weitaus bedeutendste und wichtigste und wird daher häufig einfach ‘die Hanse’ genannt. Die Hanse entwickelte sich von einer Vereinigung von Kaufleuten zum Städtebund und zählte zu ihren Hochzeiten rund 200 Städte von London bis Nowgorod.

Sympathie für Holland
Beim Ostseehandel spielte der Amsterdamer Hafen eine wichtige Rolle. Das damalige Holland mit seiner rasch wachsenden Bevölkerung war bei der Lebensmittelversorgung auf Getreideimporte aus den Ostseeländern angewiesen. Für den Seetransport waren die Schiffer aus Friesland deshalb für Holland lebenswichtig. Bei Kriegen zwischen Holland und Friesland ergriff Stavoren daher mitunter auch Partei für Holland. Die Entfernung von Stavoren nach Holland (Enkhuizen) war mit nur 25 km recht gering.

Niedergang und Aufschwung
Die holländisch-friesischen Kriege von 1345 bis 1422 zum Ende des Mittelalters brachten für das Städtchen den Verfall. Handwerk und Handel gerieten in eine schwere Rezession und damit gingen auch die finanziellen Mittel für die Instandhaltung des Hafens und der Deiche von Stavoren verloren. Der Hafen versandete und beim Getreidehandel büßte Stavoren seine bedeutende Rolle ein. Auf dieser Tatsache basierte die Legende von der Frau von Stavoren. Alt-Stavoren fiel den immer reißenderen Fluten der Zuiderzee zum Opfer.

Im 17. Jahrhundert wurden der Häuserbau und die Instandhaltung des Hafens dank der blühenden Seeschifffahrt mit Handelskoggen - den sog. friesischen ‘Ommelandvaarders - in ferne Länder wieder aufgenommen. Leider erlebte die Seeschifffahrt von Stavoren aus im 19. Jahrhundert einen erneuten Niedergang. Von dem einst so internationalen Hafen blieb nicht viel übrig.

Boots- und Radtouren
Stavoren ist heute der Heimathafen der Friese Vloot, einer Reedereigenossenschaft mit rund zwanzig Traditionsseglern und dem Tallship Aphrodite, einem der exklusivsten Segelkreuzfahrtschiffe der Niederlande. Außer in den Wintermonaten laufen hier wöchentlich dreißig große Segelschiffe mit rund 20 bis 40 Passagieren an Bord ein und aus. Viele davon sind deutsche Schüler.

Seit 1886 gibt es eine Fährverbindung zwischen Stavoren und Enkhuizen. Zunächst wurde diese vor allem für den Frachttransport - auch von Eisenbahnwagons und anderen Fahrzeugen - und die Beförderung von Passagieren genutzt. Seit 2012 setzt die Fähre ‘Bep Glasius’ alljährlich auch rund 45.000 Touristen und 14.000 Fahrräder.

Für Sportboote ist heute außer den alten Häfen an der Schleuse und auf der Landseite des Städtchens in zwei großen Jachthäfen - der Marina Stavoren mit Innen- und Außenhafen - jede Menge Platz.

Eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit für Landratten bietet das Hotel ‘Het Vrouwtje van Stavoren’, in dem riesige Weinfässer als Hotelzimmer hergerichtet wurden.

Machtige buitenhaven: Marina Stavoren.
Wunderschöner Außenhafen: Marina Stavoren.

Kloster
Im Jahr 1999 führten der Fund eines Sarkophags aus Sandstein und die Entdeckung einer rechteckigen Konstruktion auf dem Grund des Ijsselmeers vor dem Hafen von Stavoren zu der Vermutung, dass dies die Stelle sei, an der früher das Odulfuskloster, eines der ältesten Kloster der Niederlande gestanden hat. Das russisch-orthodoxe Kloster in Hemelum auf dem Geschiebelehmrücken von Gaasterland organisiert jedes Jahr Wallfahrten zu diesem Ort.

Das Odulfuskloster stand auf dem Fundament eines kirchlichen Zentrums, das im Jahr 838 von dem Priester Odulfus im Auftrag des Utrechter Bischofs errichtet wurde. Odulfus sollte die heidnischen Friesen zum Christentum bekehren. Der Missionsposten wurde in einem Niedermoorwald westlich vom alten Stavoren auf dem Grund des heutigen Ijsselmeers erbaut. Die Zuiderzee - seit dem Bau des Abschlussdeichs im Jahr 1932 das Ijsselmeer - war damals noch ein großer Sumpfwald mit Brackwasserströmen.

Das Kloster wurde 1390 von den Holländern verwüstet, woraufhin die Fundamente in der Zuiderzee verschwanden. Fischer erzählten sich jahrhundertelang, dass sie sich ihre Netze an Grabplatten des Klosterfriedhofs aufgerissen hätten.

Übrigens hat Bonifaz bereits vor dem Missionar Odulfus in Friesland versucht, friesische Stämme auf andere geistliche Gedanken zu bringen, was auch schief ging: Er wurde 754 in Dokkum ermordet.

Das Russisch-orthodoxe Kloster in Hemelum organisiert wie gesagt jedes Jahr Wallfahrten zu dem Ort, an dem damals das Kloster und die Abtei Sankt Odulfus standen.