Publicatiedatum: 2 februari 2015
Reporter: Albert Hendriks - Friesland Holland Nieuwsdienst - www.friesnieuws.nl

Hindeloopen, Hafenstadt und Wassersportzentrum mit internationalem Flair

Reiche Seekapitäne haben der Wohnkultur einen bunten Stempel aufgedrückt

Hindeloopen
Hindeloopen

HINDELOOPEN (NL) – Die gut erhaltene Geschichte und die Kommandeurshäuser der Hindeloopener Kapitäne, die nach Skandinavien, den Ostseeländern und England fuhren, die Schleusenwächterwohnung von 1619 und die benachbarte alte Schleuse, der Stadthafen, der große Freizeitjachthafen mit teuren Motor- und Segeljachten, die typisch Hindeloopener Mal- und Holzschnitzkunst und die maritime Atmosphäre am Ijsselmeer: Das sind die Highlights von Hindeloopen, Stadtrechte seit 1225 und eine der kleinsten der friesischen Elf Städte. Nicht einmal 900 Menschen wohnen in Hylpen (friesischer Name von Hindeloopen).

Die maritime Geschichte Hindeloopens beginnt im 13. Jahrhundert, als der Ort sich erstmals an einem großen Gewässer befindet, nämlich die sich immer weiter ausdehnenden Zuiderzee. Die sogenannten „Fleutenschiffe” konnten zwar nicht bis in die Stadt gelangen, jedoch sicher vor der Küste anlegen. Der Handel mit Skandinavien, den Ostseeländern und England erlebte seine Hauptblütezeit im 16. und 17. Jahrhundert. Die Kapitäne aus Hindeloopen segelten im Dienst der Reeder und Kaufleuten aus Amsterdam. Sie brachten Produkte wie Wolle und Jenever über das Meer und kehrten mit Holz für den schnellwachsenden Häuser- und Schiffsbau zurück.

Aufgrund der isolierten Lage in Friesland und den internationalen Kontakten entwickelte sich in Hindeloopen ein eigener Dialekt, eigene Malkunst, Möbelherstellung und Kleidertracht. Die Hindeloopener sprechen eine Sprache, die stark vom Friesischen abweicht, teilweise als Folge der Verbindung zu Amsterdam zwischen 1600 und 1870.

Als Amsterdam 1824 über den mit Schaufeln ausgegrabenen Noordhollandsch Kanal nach Den Helder eine direkte Verbindung mit der Nordsee erhielt, war die Route über den flachen Pampus (vor der Mündung des IJ gelegen), der Zuiderzee und Hindeloopen ein unbeliebter Umweg. Hindeloopen war nicht mehr der wichtigste Vorhafen von Amsterdam. Die steinreiche Kapitänsstadt degradierte allmählich zu einem Fischerort mit deutlich geringerem Wohlstand, als vor der Schaffung des Noordhollandsche Kanals.

Kommandeurshäuser
In den Monaten Oktober bis einschließlich Februar, wenn die Schiffer an Land blieben, wohnten die Seekapitäne und ihre Familien in den schönen Häusern an — unter anderem — der Nieuwstad. Sobald sie allerdings wieder zur See fuhren, zogen die Frauen und Kinder aus den „Kommandeurhäusern” in die sogenannten „Likhuizen” um. Diese kleinen Häuser (Lik = klein) befanden sich in den Gärten der Seemannshäuser. Es gibt sie immer noch!

Königliche Möbel- und Malkunst aus Hindeloopen
Möbel und Dekorationsmalerei aus Hindeloopen sind bis nach Japan berühmt geworden und waren lange Zeit ein wichtiges Exportprodukt, vor allem nach einer Präsentation in Paris. Die Hindeloopener Interieur-Malkunst umfasst vor allem das Bemalen von Gebrauchsgegenständen. In den bunten Bemalungen kann man den Einfluss der Ostseeländer erkennen. Aber auch Stoffe aus Indien und Porzellan aus China, die von Kollegen der Hindeloopener Kapitäne nach Amsterdam mitgebracht worden waren, dienten wohl als Inspirationsquellen. Die reichen Schiffer aus Hindeloopen ließen ihre Häuser mit luxuriösen Holzschnitzereien und Bemalung, die später auch Möbelstücke verschönerten, reich verzieren. Wirtschaftlicher Rückgang, Krieg und Napoleon sorgten dafür, dass im 19. Jahrhundert ein großer Teil der einzigartigen Einrichtungen verloren ging. Der friesische Landadel erweckte nach 1870 das traditionsreiche Möbelhandwerk aus Hindeloopen wieder zum Leben mit einem „Hindeloopener Stilzimmer”. Dieses wurde speziell für die historische Ausstellung in Leeuwarden im Jahr 1877 angefertigt. 1878 wurde das Zimmer, das in den Niederlanden viel Bewunderung erntete, zur Exposition Universelle gebracht, der dritten Weltausstellung, die in Paris stattfand. Der Adel und das reiche Bürgertum waren sehr beeindruckt von dem Möbelhandwerk und der Dekorationstechnik aus Hindeloopen, die nach diesem großen Erfolg auch auf vielen anderen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt wurde.

Die Hindeloopener Malkunst ist nach wie vor eine Sehenswürdigkeit. Ein bekanntes Atelier ist die Firma Roosje, Lieferant des Hofs von Oranje. Kronprinzessin Amalia und ihre Schwestern Alexia und Ariane haben alle mal in einem Kinderstuhl von Roosje am Tisch gesessen. Die Firma ist jetzt das Eigentum der Brüder Stallmann, vierte Generation. In der königlichen Villa Eikenhorst in Wassenaar steht auch eine Originaltruhe aus Hindeloopen, ebenfalls von Roosje. Zierliche Blumenmotive trifft man auch in der Küche von Prinzessin Margriet und Prof. Pieter van Vollenhoven in Apeldoorn an. Die drei Königinnen vor König Willem-Alexander — seine Mutter Beatrix, seine Großmutter Wilhelmina und Urgroßmutter Emma — waren auch ganz verliebt in die handwerklich hergestellte Möbel aus dem winzigen Städtchen am Meer. Arend Roosje, der Gründer der Möbelfabrik aus Hindeloopen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, begann sein Atelier 1894 in dem im Jahr 1656 gebauten Kommandeurshaus an der Nieuwstad, Hausnummer 44. Roosje, gebürtiger Hindelooper, wurde mit 16 Jahren (1885) von Kennern als talentierter Dekorationsmaler entdeckt. Im Laufe der Jahre wurde der Unternehmer, der als Malerknecht angefangen hat, in den ganzen Niederlanden als Trendsetter berühmt. Der Stil von Arend Roosje gilt immer noch als der führende Stil, neben der modernen Variante der Brüder Stallmann: Oak Inside.